KLASSE ANKE DOBERAUER


AKTUELL:::

Jahresausstellung 2021

Klasse Anke Doberauer

KAKÉMONO

 

 

17. - 25. Juli 2021

 

Akademie der Bildenden Künste München

Akademiestraße 2  | Altbau |  R. A01.16 - 17

 

 

 

Der im Frühjahr 2020 beschlossene Lockdown und die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie haben unsere Arbeitsweise als Malklasse und als Künstler vollkommen verändert. Wir durften keine Klassenbesprechungen mehr abhalten, das Ausstellen wurde zu einer Herausforderung, und viele von uns hatten kein Atelier und mussten zu Hause unter prekären Bedingungen arbeiten.

 

In diesen schwierigen Zeiten aber gaben wir nicht auf und passten unser künstlerisches Schaffen den gegebenen Einschränkungen an.

 

Aus diesen Gründen haben wir ein Ausstellungskonzept entwickelt, das es uns ermöglicht, mit begrenzten Mitteln und Platz dennoch kraftvolle Bilder zu produzieren. Wir zeigen vertikale Bildrollen mit einer durchschnittlichen Höhe von sechs Metern, welche von der Decke bis auf den Boden unserer Klassenateliers herabhängen.Die Rollen sind aus Papier oder Leinwand, wobei die Breite der Rollen auch davon abhängt, wie gross der Arbeitsplatz ist, welcher dem jeweiligen Studenten zur Verfügung steht.

 

Die Idee, lange Rollen zu malen, stammt aus der asiatischen Kunsttradition, wo diese Art der Malerei seit über tausend Jahren praktiziert wird. Eine Rolle braucht wenig Platz, da sie aufgerollt werden kann. Durch ihre Linearität eignen sich Bildrollen gut für narrative Kompositionen. Das Rollbild ist ein Hybridformat zwischen Buch und aufgespannter Leinwand, zwei etablierten Medien in unserer westlichen Kultur.

 

Die bearbeiteten Rollen werden die individuellen und kollektiven Erfahrungen der letzten Monate widerspiegeln, eine Art Katharsis nach mehreren Lockdowns, Ausgangssperren, Arbeitsplatzverlusten, geschlossenen Werkstätten, abgesagten Ausstellungen, geschlossenen Grenzen. Wir teilen die Poesie die wir fanden, sie trägt uns weiter zu besseren Tagen.


Diplom 2021

Anaïs Cousin

Tom Messavilla

Moritz Moll

Junpei Uchida (Akademievereins-Preisträger 2021)

 

Klasse Anke Doberauer

Akademie der Bildenden Künste

München

 

 

 

 

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Anaïs Cousin

ABSURDUM

Anaïs Cousin, ABSURDUM, 2021, Diplom Freie Kunst, Klasse Anke Doberauer, Ausstellungsansicht

Photo (c) Lara Freiburger

Ein Mann steht vom Tisch auf, schiebt seinen Stuhl zurück, geht zur Garderobe, nimmt seinen Mantel, zieht ihn an, öffnet die Tür, schließt die Tür, nimmt den Schlüssel aus der Tasche, dreht ihn im Schloss um, steckt ihn in seine Tasche, wendet sich um. Er geht.  

Ja, aber... Wenn dieser Mann, anstatt den Schlüssel in die Tasche zu stecken, ihn zum Mund führen würde... Wenn er, anstatt sich umzudrehen und wegzugehen, einfach dort stehenbliebe...  Die Handlungen, die scheinbar linear aufeinander folgen, wie in manchen Filmen, sind in Wirklichkeit ungeordnet. Es gibt Unterbrechungen, Pausen, verrückte Aktionen, Sprünge ins Leere. 

 

Wie in einem Waschbecken der Schaum des Duschgels platzen die Luftblasen, die sich ausdehnen verrecken.

 

Das Absurde sickert in die Tage. Es lädt sich nach Hause ein, löst lächerliche Handlungen und überwältigende Tätigkeiten aus. Die Uhr wird zu einem willkürlichen Mechanismus, und das Einzige, was zählt, ist der große Lauf der Zeit, diese Mauer, die wir unermüdlich vor uns herschieben.

 

In ihrer Ablösung wirken die Objekte widerständig. Hier und da stehen sie stramm.  Der Tisch, der Staubsauger, der Parkettboden, die Bierkiste, die Pfingstrosen. Diese vertraute Umgebung klingt jetzt unecht. Sie beruhigt nicht mehr, sie verstört.

 

Anaïs Cousin, 2021

Anaïs Cousin, And…and…and the., 2021, Öl auf Leinwand, 175 x 200 cm

Anaïs Cousin, ABSURDUM, 2021, Diplom Freie Kunst, Klasse Anke Doberauer, Ausstellungsansicht

Photo (c) Lara Freiburger

Anaïs Cousin, Là, 2020, Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm

Anaïs Cousin, Ici, 2020, Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm

Tom Messavilla

Modello

Modello lädt ein, sich in imaginierten Räumen oder Raumschiffen zu bewegen.

 

Das Malen der Konstruktionen gleicht einem spielerischen Experiment: Malen bedeutet Bauen, die Architektur baut sich im Prozess sukzessiv auf. Dabei entstehen große und kleine Räume, durch Elemente wie Treppen oder Röhren verbunden; manchmal ineinander verschachtelt und mit vielen Details versehen, manchmal nur skizziert.

 

Tom Messavilla, 2021

Tom Messavilla, Minigolfraumschiff, 2020, Tempera auf Leinwand, 100 x 80 cm

Tom Messavilla, Raumschiff parkt vor Berg, 2020, Tempera auf Leinwand, 33 x 22 cm

Tom Messavilla, Raumschiffknetmasse, 2021, Tempera auf Leinwand, 33 x 22 cm

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Tom Messavilla - Modello, Diplom 2021 AdBK München
210327_Modello_Tom_Messavilla.pdf
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Moritz Moll

Still

Moritz Moll, Still, 2021, Diplom Freie Kunst, Klasse Anke Doberauer, Ausstellungsansicht

Photo (c) Lara Freiburger

Still. Endlich Still. Kein Flugzeug schüttelt mehr meine Ziegel. Kein Boot schlägt Wellen in meinem Teich. Ich will schlafen. Ich muss schlafen! Jetzt wo da kein Lärm mehr ist, der das Flüstern übertönt. Jetzt wo da kein Licht mehr ist, zwischen mir und den Schatten.

 

Schlafen? Nein, das geht jetzt nicht. Hier ist es mir zu eng. Ich muss raus und etwas sehen von der Welt!

 

Moritz Molls Arbeiten sind eine Auseinandersetzung mit dem Vergangenen, verstanden als eine Aneinanderreihung von Mustern, Strukturen und Prozessen, die sich in uns manifestieren.

In seinen Malereien verarbeitet er Erinnerungen und Visionen von ihm nahestehenden Menschen. Als Quellenmaterial dienen ihm dafür persönliche Fotografien. Die Arbeiten sind geprägt von einer Mehrdeutigkeit hinsichtlich der Lesbarkeit von Emotion und Situation. Keine Arbeit steht für sich alleine, jede verbindet sich mit der nächsten und erschafft so ein sich ständig wandelndes Narrativ. Der Prozess der Rekontextualisierung legt dabei nicht nur neue formale, sondern auch zeitliche Zusammenhänge frei.

 

Die Arbeiten der Serie „Schläfer“ oszillieren zwischen Entspannung und Rastlosigkeit und stellen unvermeidlich die Frage nach der Qualität des Schlafs. In einem Such- und Findungsprozess werden die Grenzen zwischen entspanntem Dösen und Schlaflosigkeit ausgelotet. Die im Ausstellungstitel „Still“ implizierte Geräusch- und Bewegungslosigkeit findet sich so lange in den Arbeiten wieder, bis sich der Fokus auf das bewegte Innenleben der Portraitierten verschiebt.

 

In der Serie „Publikum“ portraitiert Moritz Moll 48 Ausstellungsbesucher, die der Diplomausstellung 2021 an der Akademie der Bildenden Künste München aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen fern bleiben mussten. Durch die Heterogenität des Quellenmaterials entsteht ein nichtlineares Zeitdokument, in dem alle Personen aus ihrem zeitlichen Kontext heraustreten. Die durch die Abwesenheit der Öffentlichkeit entstehende Stille wird durch den spannungsreichen Charakter der Portraits durchbrochen.

 

Moritz Moll, 2021

Moritz Moll, Auf der Flucht vor der Fatigue, 2020, Öl auf Leinwand, 120 x 145 cm

Moritz Moll, Windrose und Stern, 2020, Öl auf Leinwand, 110 x 130 cm

Moritz Moll, Still, 2021, Diplom Freie Kunst, Klasse Anke Doberauer, Ausstellungsansicht

Photo (c) Lara Freiburger

Moritz Moll, Still, 2021, Diplom Freie Kunst, Klasse Anke Doberauer, Ausstellungsansicht

Photo (c) Lara Freiburger

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Moritz Moll - Portfolio 2021
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Junpei Uchida

LANDSCAPE DELIVERY SERVICE LIMITED INC.

Akademievereins-Preisträger 2021

Junpei Uchida, LANDSCAPE DELIVERY SERVICE LIMITED INC., 2021, Mixed Media, 500 x 80 x 80 cm

Photo (c) Lara Freiburger 

Sehnsuchtsbilder haben eine lange Geschichte. Die Diplomarbeit von Junpei Uchida reflektiert diese romantische Tradition, aber zugleich auch unsere gegenwärtige Situation. Aufgrund des Lockdowns im Frühjahr 2020 war die Freiheit zum Ausgehen eingeschränkt, viele Menschen blieben zu Hause und benutzten die unterschiedlichsten Lieferservices. Nach der Erfahrung dieser Krise stellte der Künstler sich eine Zukunft vor, in welcher der Mensch nicht ausgehen kann und sogar "Landschaften" geliefert würden, und erfand eine fiktive Firma. Die Landschaften wurden allerdings nicht von Junpei Uchida selbst gemalt, sondern er bediente sich bei Sammlungen der Arbeiten alter Meister im Internet. Deren Landschaftshintergründe wurden durch das Ausradieren der alten Vordergründe zum eigentlichen Sujet. So wurden Werke geschaffen, die uns wiederum mit der Geschichte der Malerei konfrontieren.

 

Junpei Uchida, 2021 

Junpei Uchida, LANDSCAPE DELIVERY SERVICE LIMITED INC., 2021, Mixed Media, Detailansicht

Photo (c) Lara Freiburger 

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Junpei Uchida - Diplomportfolio 2021
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